Donnerstag, 7. Juni 2012

Rezension: "Die wir am meisten lieben" von Nicholas Evans


Hallo Ihr Lesefans da draußen,


Euch geht es hoffentlich gut. Ich habe nach wie vor viel (positiven) Stress. Umso mehr freue ich mich, Euch unter der Woche eine Rezension präsentierten zu können.

Here we go.... 









"Die wir am meisten lieben"






Titel: Die wir am meisten lieben
Originaltitel: The Brave
Autorin: Nicholas Evans
Übersetzer: Susanne Schädlich
Gebundene Ausgabe: 367 Seiten
Verlag: Rütten & Loening
Auflage: 1. Auflage 2012
Preis: 19,99 (D)
ISBN-10: 3352008159
ISBN-13: 978-3352008153




Leseprobe: *klick*


„Die wir am meisten lieben“ von Nicholas Evans, den viele als den Autoren des Erfolgsbuches „Der Pferdeflüsterer“ kennen dürften, heißt im englischen Original eigentlich „The Brave“ und man kann sich fast schon darum streiten, welcher der Titel dem Inhalt des Buches gerechter wird.

Evans beschreibt das Leben des achtjährigen Tom (Tommy) Bedford am Ende der 50er Jahre, dessen Eltern ihn auf ein Internat schickten. Dort muss der kleine Tommy lernen, sich den Herausforderungen des Lebens fernab seiner Familie zu stellen. In Anbetracht der strengen Regeln und Bestrafungen durch die Angestellten, doch auch der Angriffe durch seine Mitschüler, die Tommy über sich ergehen lassen muss, ist dies alles andere als ein leichtes Unterfangen.

Im Leben des kleinen Western- und Cowboyfans scheint es einen großen Mangel zu geben: Liebe.  Es ist Tommys ältere Schwester, die Schauspielerin  Diane, die ihm Hoffnung gibt. Durch ihren Einsatz gelingt es ihr, Tommy zu sich nach Hollywood zu holen. Doch damit ist noch nicht alle Last von dem Jungen genommen, denn auf ihn wartet eine Katastrophe, die einen alles andere als unerheblichen Einfluss auf sein Leben nimmt.

In „Die wir am meisten lieben“  finden wir Leserinnen und Leser hier nicht nur den kleinen Jungen Tommy vor, sondern auch den erwachsenen Mann Tom. Dieser hat es inzwischen zum Dasein eines anerkannten Journalisten und Dokumentarfilmers gebracht. Doch die Schatten der Vergangenheit verfolgen ihn und nehmen noch immer Einfluss auf sein Leben.

Als Toms Sohn, ein US-Marinesoldat, beschuldigt wird, auf einer Mission im Irak den Tod unschuldiger Zivilisten verschuldet zu haben, muss sich Tom seiner Vergangenheit stellen.     

Es sind mehrere Flashbacks, durch die wir von Toms Vergangenheit erfahren - also von dem, was dem kleinen Tommy widerfahren ist. Es wird bei diesen Flashbacks jedoch nicht die Perspektive Tommys übernommen. Wie im gesamten Buch wird hier aus einer Betrachterperspektive erzählt. Dabei gelingt es Nicholas Evans jedoch, eine eindrucksvolle Atmosphäre zu schaffen und Tom, bzw. Tommys Situation wundervoll anrührend widerzugeben.

Mich bewegte der gesamte Plot und es gab keine Stelle, an der ich die Handlung auch nur ansatzweise als langatmig empfunden hätte. Gerade die immer wiederkehrenden Einblicke in Toms Vergangenheit beleben „Die wir am meisten lieben“ durch einen packenden Spannungsaufbau. Es ist, als würden einem hier zwei Hauptfiguren vorgestellt werden, die aber letztlich zu einer verschmelzen und beide erleben Dinge, deren Fortsetzung man gespannt entgegensteuert. An einigen Stellen vermag man zunächst dem Verdacht erliegen, dass handlungstechnisch gar nicht so viel geschieht. Dieser Eindruck entsteht vor allem wohl durch die Kunst des Autors, kleinen Alltagsituationen einen Raum zu geben, der diese lebendig erscheinen lässt, ohne sie aber unnötig auszudehnen. Es sind viele kleine, feine Besonderheiten, die am Ende ein fein säuberlich gewebtes Handlungsnetz ergeben und dem Buch so auch einen gewissen Realitätscharakter verleihen.

Dazu kommt, dass das Charakterdesign zwar vielseitig ist, jedoch jede einzelne Person nahezu zum Leben erweckt wird. Bezüglich des Charakterdesigns bieten sich viele Identifizierungsmöglichkeiten. In meinen Augen kann jede agierende Person in „Die wir am meisten lieben“ in die Realität versetzt werden und würde dadurch nicht weniger real wirken. Jede einzelne Lebensgeschichte – und sei sie noch so gering angedeutet – wirkt hier nachvollziehbar und lebensnah. So erging es zumindest auch mir so, dass ich keine einzige Person wirklich unsympathisch fand.

Beeindruckt war ich besonders von der Darstellung Dianes und deren Partners. Doch auch ganz allgemein gesehen, verleiht Evans seinen Charakteren bereits durch deren kleinste Aktionen und Worte unwahrscheinlich viel Tiefe.

Bezüglich des Leseflusses kann ich mich nur ebenso positiv für Evans neuen Roman aussprechen. Ich empfinde die gewählten Worte und die gebildeten Sätze als leicht verständlich und es gelang mir mühelos, ihnen zu folgen. Viel eher möchte ich meinen, dass ich das Buch nahezu in einem Zug durchgelesen habe und es schon richtiggehend schade fand, als es sich dem Ende näherte.

Mit „Die wir am meisten lieben“ gelingt es Evans meinem Empfinden nach überaus gut, Gefühle zu erfassen und diese an die Leserschaft weiterzuleiten. Es handelt sich hier um einen einfühlsamen Roman, der aber nicht die Härte vergessen lässt, die das Leben bereithalten kann.
Ich denke, es wäre gänzlich falsch, sich von der erstklassigen Gefühlsebene des Romans in die Irre führen zu lassen. Es handelt sich hierbei nicht um einen kitschigen Plot, der vor Schmalz nur so trieft. Hier wird aufgegriffen, was Menschlichkeit und Leben bedeuten können: unterschiedliche Biografien und das Damitumgehen verschiedener Charaktere. Ich denke, dass es aber durchaus Interesse an solchen Themen bedarf, um mit „Die wir am meisten lieben“ wirklich glücklich zu werden. Jedem, der aber auch nur geneigt ist, sich darauf einzulassen, möchte ich wirklich ans Herz legen, Tom auf seinem Weg zu begleiten.
Mich hat „Die wir am meisten lieben“ wunderbar unterhalten und ich finde auch den Preis des Buches gerechtfertigt.

Als ein gebundenes Buch mit 367 Seiten liegt es angenehm in der Hand und bietet genügend Stabilität, um das Lesen sehr gut zu überstehen, ohne dabei Lesespuren anzusetzen. Ferner kommt es in einem hübsch gestalteten Umschlag daher, auf dessen Rückseite man Dank eines Fotos auch einen Blick auf den Autoren Nicholas Evans selbst werfen kann. 


Um es noch einmal kurz zu fassen: „Die wir am meisten lieben“ erwies sich in meinen Augen als ein Buch, das ich nicht mehr aus der Hand legen wollte und das mich durch seine tiefe Gefühlsebene, sowie sein eindrucksvolles und lebensnahes Charakterdesign überzeugt hat. Ich kann nicht umhin, eine nachdrückliche Leseempfehlung dafür auszusprechen. 













 


Herzlichen Dank an amazon und Rütten & Loening für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!

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