Montag, 1. Oktober 2012

Rezension: „Worm. Der erste digitale Weltkrieg“ von Mark Bowden

Hallo, 

ich melde mich aus den Weiten des Nichtbloggens zurück....
Gründe, warum ich so lange abwesend war (und dies jetzt nicht mehr sein werde), werdet Ihr in einem extra Post erfahren.

Heute möchte ich Euch erst einmal eine Rezension zu einem wirklich tollen Buch bieten. 

Habt einen tollen Abend!




 „Worm. Der erste digitale Weltkrieg“





Titel: Worm. Der erste digitale Weltkrieg
Originaltitel: Worm. The Story of the First Digital World War
Autor: Mark Bowden
Übersetzer: Thomas Pfeiffer
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Berlin Verlag
Auflage: 1. Auflage 2012
Preis: 19,90 (D)
ISBN-10: 3827010659
ISBN-13: 978-3827010650




Bestellt werden kann das Buch auch direkt HIER.




Die Realität kann besser und interessanter sein als Hollywood, vor allem aber auch gefährlicher – so könnte man wohl schließen, wenn man „Worm. Der erste digitale Weltkrieg“ gelesen hat.

Der amerikanische Journalist Mark Bowden (bekannt für seine Arbeit beim Philadelphia Inquirer, Vanity Fair und The Atlantic, sowie weiteren US-Zeitschriften) beschreibt in seinem Buch die Situation rund um den Computerwurm „Conficker“. Hierbei handelt es sich um einen äußerst gefährlichen Wurm, der 2008 entdeckt wurde und im weiteren Verlauf seines Daseins für reichlich Rätselraten, sowie Besorgnis verantwortlich werden sollte.

Um das wahre Ausmaß der Gefahr, die von solch einem genial durchdachten Wurm wie „Conficker“ (auch bekannt unter anderen Namen, wie „Downadup“, „kido“ und einigen mehr“) ausgeht zu verstehen, benötigt man ein gewisses Verständnis des Internets und seiner Funktionalität an sich. Dies wird nicht nur im Buch benannt, sondern dem Leser auch klar, wenn er sich mit der hier vorgestellten Materie beschäftigt. Doch genau an dieser Stelle setzt der Autor an.
Bei „Worm. Der erste digitale Weltkrieg“ wird weit mehr an Informationen geboten, als nur solche hinsichtlich „Confickers“. So gibt Bowden zu Beginn des Buches zunächst Einblick in die Entstehung von Computern, sowie in die Entstehung des Internets. Dieser Einstieg ins Buch holt den Leser in gewisser Weise ab. Selbst solche Leser, die sich mit technisch genialen Errungenschaften wie Computern, Betriebssystemen und Internet bisher noch nicht weiter auseinandergesetzt oder gar dafür interessiert haben, werden auf denkbar einfache Weise in die Materie eingeführt. So gelingt es dem Autor, erst einmal eine gewisse Grundvoraussetzung für das Verständnis der weiteren Kapitel zu schaffen, die wahrlich spannend sind.    

Gemessen an der Informationsfülle und der Komplexität von prozesshaften Darstellungen und Entwicklungen, die dieses Buch aufgreift, könnte man leicht zu der Annahme gelangen, dass es sich hierbei um schwere Lektüre handelt. Jedoch hält sich bei mir nachhaltig der Eindruck, dass es Bowden gelungen ist, komplexe Arbeitsabläufe und Sachverläufe äußerst anschaulich darzustellen. Vergleiche dienen dem leichteren Verständnis. Beispielsweise versucht Bowden sich an dem Vergleich eines Rechners mit dem Raumschiff Enterprise. Die Verknüpfung von komplexen Systemen wird hierbei verständlich aufbereitet. Meinem Erachten nach muss man hier weder Computerspezialist noch Star Trek-Fan sein, um dem Beispiel folgen zu können. Bowden versteht sich darauf, durch seine beispielhaften und lebensnahen, logisch nachvollziehbaren Erklärungen schweren Themen eine gewisse Leichtigkeit zu verliehen, die noch dazu Langeweile ausschließt.

Betrachtet man die Geschichte rund um „Conficker“ und dessen Auftreten, so wird rasch deutlich, dass es sich hierbei auch um die Geschichte von – zunächst recht wenigen – einzelnen Personen handelt. Besagte Personen sind allesamt Spezialisten, die sich in bestimmten Fachgebieten (manchmal auch auf weitaus mehr als einem) einen Namen gemacht haben und sich außerordentlich gut auf ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten verstehen. Sie sind das, was man als Elite im Bereich von Computertechnik / Internet bezeichnen könnte. Wer jetzt an die Bezeichnung „Geek“ denkt, der liegt damit alles andere als daneben, denn selbst im Buch wird diese aufgegriffen.
Bowden stellt uns Lesern die wichtigsten Personen in der Bekämpfung „Confickers“ vor. Gleich zum Einstieg gibt es eine Auflistung der Hauptpersonen, die nicht nur die Namen, sondern auch kurze Beschreibungen zu ihnen enthält. Mit fortlaufender Seitenzahl bekommt man auch Einblicke über diese und so bietet sich die Möglichkeit, Sympathie, bzw. Ablehnung zu gewissen „Charakteren“ aufzubauen.
Durch eben jene menschliche Seite und die dargestellten Perspektiven, verkümmert „Worm. Der erste digitale Weltkrieg“ nicht zu einem langweiligen Fallbericht, sondern gewinnt eher den Charakter eines guten Thrillers.  

Dieses Buch enthält Leben und ich bin nach wie vor überrascht darüber, wie viel Spannung es mir beim Lesen vermittelte. Man darf nicht außer Acht lassen, dass es sich hier eben nicht um einen fiktiven Plot handelt, sondern um die Darstellung einer wahren Begebenheit, die ein – in meinen Augen sehr talentierter – Journalist, auf Quellengrundlagen und Interviews basierend, überaus ansprechend aufbereitet und einem breitem Publikum zur Verfügung gestellt hat.
Beim Lesen fiel mir mehrmals auf, dass die Grenzen zwischen Realität und Fiktion zu verschwimmen schienen. Die Spannung, die Bowden in „Worm. Der erste digitale Weltkrieg“ vermittelt, hat in meinen Augen etwas von einem sehr gut angelegten Sci-Fi-Klassiker. Die Vorstellung, dass es sich hier jedoch eben nicht um Fiktion handelt, gibt dem Ganzen eine umso erschreckendere Note.

Meiner Einschätzung nach, ist es Bowden sehr schön gelungen, auf die zerbrechliche Seite des Internets – ja, wenn man so möchte gar des Fortschritts – hinzuweisen. Dies ist wohl nicht allein dem zu verdanken, dass er die Bedenken und Sorgen der „Geeks“ beschreibt, die sich mit „Conflicker“ auseinandergesetzt haben. Seine Wortwahl ist anschaulich und eindringlich, ohne jedoch den Zeigefinger auf allzu offensive Weise zu erheben. Die Satzgestaltung ist nicht immer kurz und bündig, aber aussagekräftig. Seine Darstellungen sind logisch und nachvollziehbar. Dass im Buch häufig Abkürzungen und englischsprachige Bezeichnungen Erwähnungen finden, ist unumgänglich, wenn man die Thematik, die es behandelt, betrachtet. Hier kommt der Verständlichkeit des Buches jedoch zugute, dass Abkürzungen auch in der ausgeschriebenen Variante Erwähnung finden. Englischsprachige Begriffe werden in der Regel erklärt, oder übersetzt, um das Verständnis auch bei Personen zu erhalten, die der englischen Sprache nicht mächtig sind. Gerade das erachte ich als ein großes Plus. Wie oft hat man sich schon in einem solch technisch geprägten Thema mit einem Haufen von englischen Begrifflichkeiten konfrontiert gesehen, die das Verständnis nur unnötig erschwert haben?! Dass gerade dies hier nicht der Fall ist, empfinde ich als sehr löblich.

Die Aufmachung des mir vorliegenden Rezensionsexemplares ist klar und für meinen Geschmack dem Thema gut angepasst. Das Buch liegt mir als gebundene Fassung vor und verfügt über einen in schwarz gehaltenen Schutzumschlag, auf dem das Wort „Worm“ (eng. für „Wurm“) in grün und weiß prangt und in dem sich die Zahlen „0“ und „1“ wiederfinden. Es wirkt, als bestünden die einzelnen Lettern aus einem Bild, das aus Programmiersprache besteht. Den dadurch geschaffenen Effekt finde ich sehr schön, denn auf diese Weise fungiert das Wort „Worm“ eher wie ein Fenster in eine Welt, die nicht wirklich greifbar, aber präsent ist.


„Worm. Der erste digitale Weltkrieg“ verdient aus meiner Sicht die beste Bewertung, die man an ein Buch vergeben kann. Selten habe ich ein non-fiktives, überaus komplexes Thema so gut und anschaulich aufbereitet erlebt. Ich konnte dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen und habe es in einem Zug durchgelesen.
Auf wundervoll unterhaltsame und spannende Weise stellt Mark Bowden ein reales Thema vor, dessen Bedeutung alles andere als zu unterschätzen ist. Dabei bekommt man den Eindruck, sich in einer fließenden Handlung mit interessanten Charakteren wiederzufinden.
Für mich ist „Worm. Der erste digitale Weltkrieg“ aus dem heutigen Zeitalter nicht mehr wegzudenken. Bowden fasziniert mit diesem Buch nicht nur, ein sensibilisiert darüber hinaus auch.
Jeder Mensch, der sich für die Welt und unserer aller Wohlergehen interessiert, aber auch jeder Mensch, der über einen eigenen Computer verfügt, einen solchen nutzt und / oder das Internet nutzt, sollte diese Buch gelesen haben, um sich selbst für die überaus komplexen und wichtigen Prozesse der heutigen Welt zu sensibilisieren und sich seiner eigenen Verantwortung bewusst zu werden. 





 



Noch einige Fotos zur Ansicht:












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Für dieses Rezensionsexemplar möchte ich mich ganz herzlich bedanken bei:



Sowie bei dem Verlag:



;)




Kommentare:

  1. Das ist echt mal ein anderes Buch und eigentlich so gar nicht meins. Aber irgendwie konntest du mich doch neugierig machen.
    Ich weiss nur nicht ob ich sowas wirklich an einem Stück lesen kann?!

    LG
    Iris

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    1. Man kommt meiner Einschätzung nach auch gut mit dem Inhalt des Buches klar, wenn man Pausen macht. Das dürfte also kein Problem sein. Vielleicht versuchst Du es ja einfach mal?! ;-)

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  2. Sehr schöne Rezension! Ich habe von diesem Buch noch nie etwas gehört und bin nun umso neugieriger. ;) Wahrscheinlich warte ich noch ein paar Rezensionen ab und schaue, ob denn alle so begeistert sind wie du. :)

    Liebe Grüße, Selina
    http://meine-lesewelt.blogspot.de/

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    1. Mir war das Buch auch unbekannt und ich wäre so schnell wohl leider auch nicht darauf aufmerksam geworden, hätte ich es nicht bei Blogg dein Buch entdeckt...
      Solltest Du es lesen, wünsche ich Dir ganz viel Spaß dabei! ;-)

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