Montag, 24. Dezember 2012

Happy Holidays!



Was auch immer Ihr Lieben ganz religionsabhängig feiern mögt:


Ich wünsche Euch ein frohes Fest!



Vorallem wünsche ich Euch das Wichtigste: Liebe!


Im Folgenden ein kleines "Geschenk" von mir - eine Weihnachtsgeschichte, von mir selbst geschrieben.  
Wer möchte, darf Sie gern teilen, jedoch bitte ich Euch darum, dies nicht kommerziell zu tun. Copyright liegt nach wie vor bei mir und abgesehen davon, wurde die Geschichte bereits in der Presse veröffentlicht. ;-)


***


Das Fest der bedingungslosen Liebe

Weihnachtszeit. Ich brauche nur ein einziges Geschenk. Es soll ein Geschenk für jemanden sein, der mich ganz besonders berührt. Dieser Jemand ist mir unbeschreiblich wichtig. Es muss ein gutes Geschenk sein, nicht einfach irgendeines.
Ich bin John. Mein Nachname ist egal. Er macht mich nicht liebenswerter.
Die meisten Leute fühlen sich in meiner Gegenwart unwohl. Manche haben sogar Angst vor mir. Das macht es schwer, Beziehungen zu knüpfen.
Mit sieben Jahren geriet ich in einen Verkehrsunfall. Es war nicht die Schuld meines Vaters, der am Steuer saß. Ein Betrunkener kam uns entgegen und rammte uns. Wir waren gerade auf dem Weg nach Hause. Meine Gedanken waren bei meiner Mutter, die Plätzchen vorbereitete, während mein Vater und ich den Weihnachtsbaum besorgen wollten. Die Tanne haben wir in diesem Jahr nicht mehr aufgestellt. Zu Weihnachten blieb unser Haus verwaist. Mein Dad war nicht mehr bei uns. Meine Mutter saß an meinem Krankenhausbett. Die einzigen Lichter, die von diesem Weihnachtsfest in ihrer Erinnerung blieben, waren die der lebenserhaltenen Maschinen, an die ich angeschlossen war.
Seit dem Unfall damals hat sich mein Leben radikal verändert. Ich habe ein Bein verloren und Narben zieren meine Haut – auch im Gesicht. 
Kinder können grausam sein. Nachdem sie mich „Narbengesicht“ und „Einbein“ nannten, ging ich nicht mehr gern zur Schule. Die Freunde, die ich gehabt hatte, bekamen Angst, weil ich – wie sie fanden – so schaurig aussah.
Nur noch meine Mutter hielt zu mir. Ich habe gehört, wie meine Tante einst zu ihr sagte, es wäre besser für mich, wenn ich bei dem Unfall auch gestorben wäre. Damals war ich acht.
Heute bin ich 42 Jahre alt. Meine Mutter ist tot.
Die Narben bleiben und auch all die schmerzhaften Erinnerungen kann ich nicht auslöschen.
Meine Mutter starb am ersten Weihnachtsfeiertag. Es war nur eine Frage der Zeit. Wir wussten, dass der Krebs dabei war, sie aufzufressen. Manchmal frage ich mich, warum meine Eltern ausgerechnet an Weihnachten sterben mussten. Zum Trost stelle ich mir gern vor, dass mein Vater meine Mom abgeholt hat und wenigstens sie nicht allein war. Ich weiß nicht, ob so etwas möglich ist, aber die Vorstellung, dass die beiden wieder zusammen sind, macht mich glücklicher.
Am letzten Heiligabend, den meine Mutter erleben durfte, schenkte sie mir eine kleine Box. Sie war nicht eingepackt. Dazu hatte meine Mutter keine Kraft mehr gehabt. Die Box hatte jedoch Luftlöcher. Ich erinnere mich daran, wie ich Mom verwundert gefragt habe, ob sie mir etwa ein Tier schenke. Sie hatte gelächelt. Ihre müden Gesichtsmuskeln hatten es tatsächlich geschafft, diese Anstrengung zu bewältigen und das allein war wundervoll.
„Es ist das einzig wirklich gute Geschenk, das ich dir noch machen kann“, hatte sie gesagt, während ich einen kleinen, braunen Welpen aus der Box befreite. Wir hatten nicht viel Geld, daher hat Mom Bethy aus dem Tierheim geholt.
Noch heute hallen die Worte meiner Mutter von damals in meinem Kopf nach, denn sie sollte Recht behalten.
Bethy ist die Freundin, die ich nie hatte. Weder während der Schulzeit, noch sonst irgendwann hat sich je ein weibliches Wesen für mich interessiert. Ich falle wohl nicht gerade unter die Definition von „schön“ oder „attraktiv“.
Bethy jedoch kümmert sich nicht um die Narben, die mich entstellen. Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, begrüßt sie mich so freudig, als wäre ich tagelang fort gewesen. Dabei leckt sich ganz unbefangen mein vernarbtes Gesicht.
Ich erinnere mich daran, wie ungern ich damals mit ihr Gassi gegangen bin. Seit dem Unfall habe ich meinen noch verbleibenden Fuß nicht mehr gern vor die Tür gesetzt. Die Blicke der Leute waren mir unangenehm. Doch ich konnte Bethy nicht daheim auf den Teppich machen lassen. Ich musste zwangsläufig mit ihr vor die Tür. Heute bin ich froh darüber.
Bethy läuft stets mit erhobenem Kopf neben mir. Wenn uns Leute passieren, wendet sie sich ihnen ungeniert zu und beschnüffelt sie neugierig. Sie war immer schon ganz anders als der Mann an ihrer Seite, der versuchte möglichst ungesehen zu bleiben, damit er sich verstecken konnte. Bethy schämt sich nicht für mich. Sie hat mir ein Stück meines Selbstbewusstseins zurückgegeben. Heute kommt es vor, dass Passanten und ich uns kurz begrüßen, wenn Bethy und ich Spazieren gehen.
Es sind jetzt 4 Jahre vergangen, seit Bethy bei mir ist. In dieser Zeit hat sie mir beigebracht, dass Tiere einen Menschen für genau das lieben können, was er ist. Sie sehen uns Menschen mit anderen Augen. Sie werten nicht.
Durch diese Erkenntnis habe ich meine Einstellung zu Tieren geändert. Ihnen wird so viel Leid angetan. Wir Menschen, die doch diese bedingungslose Liebe durch die Tiere erfahren, tun ihnen eben dieses Leid an.
Seit ich mich wieder mehr vor die Tür traue, gehen Bethy und ich ab und an im Tierheim vorbei. Ich helfe dort ehrenamtlich aus, während Bethy mit anderen Hunden spielt. Auf diese Weise habe ich das Gefühl, den Tieren etwas Gutes zurückgeben zu können.
Dieses Weihnachtsfest möchte ich zu einem besonderen für Bethy machen, so wie dieses eine Weihnachten, an dem meine Mutter Bethy zu mir brachte, ein besonderes Fest für mich war. Ich habe dies erst viel später verstanden, doch Bethy hat mir wieder Lebensmut gegeben und mich von meinem Hass auf Weihnachten befreit. Das Fest der Liebe hat mir nicht nur beide Eltern genommen, sondern mir auch eine echte Freundin beschert.
Heute hole ich eine kleine Gefährtin für Bethy aus dem Tierheim, damit sie nicht mehr so allein ist, wenn ich arbeiten bin. Das soll ihr Weihnachtsgeschenk werden. Ich habe lange darüber nachgedacht, was ich ihr schenken könnte, um ihr zu zeigen, wie dankbar ich ihr bin. Ein bisschen Angst habe ich schon davor, dass ich ihre Liebe in Zukunft teilen muss. Aber wo genug Liebe für einen ist, ist sicher auch genug Liebe für zwei und ich bin mir ganz sicher, dass das neue Hundchen uns beiden Freude bereiten wird und wir ihm darüber hinaus ein gutes Zuhause geben können.
Weihnachten ist das Fest der Liebe. Bethy hat mich gelehrt, dass es mehr als nur eine Form der Liebe gibt. In mir regt sich die Hoffnung, dass es irgendwo da draußen vielleicht auch einen Menschen gibt, der mich bedingungslos lieben kann. Doch auch, wenn ich enttäuscht werden sollte: Bethys Liebe ist mir gewiss.
Mit dem Gedanken an sie und unsere neue, gemeinsame Freundin, hören sich die Weihnachtslieder, die durch die Straßen hallen, viel schöner an.







***


Wer möchte, der findet hier noch eine weitere weihnachtliche Geschichte von mir.


Feiert alle schön - oder genießt die Ruhe, solltet Ihr nicht feiern.
Wie auch immer Ihr Weihnachten am liebsten verbringt: Ich wünsche Euch dabei viel Freude, ein bisschen Besinnlichkeit und Glück.

Alles Liebe,
Eure
 



1 Kommentar:

  1. Liebe Ty, deine Geschichte ist rührend. Sie gefällt mir ausgesprochen gut!
    VLG
    Roxann

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