Montag, 11. Februar 2013

Rezension: "Nickel" von Aric Davis



"NICKEL"





Titel: "Nickel"
Originaltitel: "Nickel Plated"
Autor: Aric Davis
Übersetzerin: Alice Jakubeit
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 248 Seiten
Verlag: AmazonCrossing
Auflage: 2012
Preis: 10,86 (D)
ISBN-10: 1611097363
ISBN-13: 978-1611097368










Wenn Nickel eins satt hat, dann ist es das Leben in einer Pflegefamilie. Nie wieder möchte er in eine solche hineingeraten. Da schlägt er sich lieber allein durch, bleibt unter dem Radar und finanziert sein Leben, indem er illegale Geschäfte abwickelt und sich als Privatdetektiv betätigt. Nickel verdient sein Geld auf allerlei haarsträubende Art und Weise. Wie er an Geld kommt, das weiß er. Doch dabei hat er eine gewisse Moral. Er kämpft gegen Pädophilie und um anderen Kindern zu helfen, erledigt er Aufträge, die er von ihnen bekommt, kostenlos.
Eines Tages kommt Arrow zu ihm. Sie berichtet Nickel, dass ihre kleine Schwester verschwunden ist und bittet Nickel, diese für sie zu finden. Der Auftrag ist gefährlich. Nickel ist sich dessen bewusst. Dennoch möchte er Arrow helfen. Dieses Mal könnte der Auftrag jedoch Nickels letzter sein.

Das Besondere an dem Protagonisten von „Nickel“ ist, dass dieser sein genaues Alter nicht weiß, dieses aber noch sehr jung zu sein scheint. Hinweise in dem Buch lassen Rückschlüsse darauf zu, dass er um die 12 Jahre alt sein muss.
Jetzt sind wir auch gleich bei dem, was für mich den Knackpunkt des Buches darstellt. Für mich ist das Alter von Nickel in Kombination mit seiner Persönlichkeit und dem Schreibstil des Buches nicht ganz stimmig.
Aric Davis nutzte für dieses Buch einen Schreibstil, der mich an das gute alte Klischee des Geheimagenten denken lässt. Nickel berichtet aus seiner Perspektive in der Form des Ich-Erzählers. Dabei wird auch das Publikum (die Leser) direkt angesprochen. Nickel wirkt dabei etwas mystisch, abgehärtet, schlau, professionell, aber auch recht offen und ehrlich. Es gibt die ein und andere Ecke und Kante, die ihn menschlich sein lässt: Ängste und Schatten der Vergangenheit suchen ihn heim.
Bedingt durch Vokabular und Satzbau wirkt Nickel für mich des Öfteren nicht authentisch. Sie erscheinen mir teils zu hochgestochen, bzw. zu fachlich, als dass sie in solcher Häufigkeit von einem solch jungen Menschen genutzt würden. Auch die Art und Weise, wie sich Nickel über das weibliche Geschlecht äußert, wirkt eher nach einem erwachsenen Mann, der gewisse Sehnsüchte in sich birgt, die er jedoch unerfüllt sieht. An manchen Stellen wirken diese Äußerungen auf mich aber auch nur unangebracht und bezüglich der Rollenerwartungen an Kinder und erwachsene Frauen ein wenig zu deplatziert.  
Trotz alledem bezieht sich Nickel immer wieder auf seine Rolle als Kind. Es wird aufgezeigt, dass er erkannt hat, was von einem Kind erwartet wird und das er – aus gegebenen Umständen – erwachsener ist als andere Kinder seines Alters. Gleichwohl betont Nickel selbst jedoch auch des Öfteren, dass er eben nur ein Kind sei und auch dementsprechende Bedürfnisse hätte. Hier wird meinem Empfinden nach eine große Zwiespältigkeit bezüglich Nickels eigentlicher Identität in der Gesellschaft aufgezeigt. Genau das macht ihn als Person für mich dann auch wieder authentischer, denn unter seinen Lebensbedingungen ist der Werdegang zu einem solchen Selbstbild nicht ungewöhnlich. Dennoch denke ich, dass man bei der Darstellung seiner erwachsenen Persönlichkeit (wie ich es hier einmal nennen möchte) einen Gang hätte herunterschalten können. Für mich ist dies der einzige wirklich bemerkenswerte Kritikpunkt an diesem Buch.
Im Übrigen muss ich anmerken, dass ich den Schreibstil zwar weniger zu Nickel passend empfinde, er mir selbst beim Lesen aber sehr lag. Für mich ermöglichte er flüssiges und unterhaltsames Lesen.
Positiv fiel mir auf, dass Nickels Pläne nachvollziehbar und logisch erscheinen, wenn man sich in seine Person hineinversetzt. Seine Aktionen und Planungen sind zumeist perfektioniert. Er verfügt über eine Vielzahl von Talenten und antrainierten Fähigkeiten. Auch hier denke ich jedoch, dass etwas weniger mehr gewesen wäre.
Das Charakterdesign wirkt auf mich zweckmäßig. Man hat die Guten, die Bösen, die Hilflosen und den Helden namens Nickel. Dabei wirkt die Ausgestaltung der einzelnen Persönlichkeiten größtenteils klischeehaft, was die jeweiligen Charaktere dadurch jedoch nicht zwingend unliebsamer macht.
Nicht richtig greifen konnte ich den Charakter von Arrow. Einerseits war sie gewisser Weise durch ihre Lage hilflos, andererseits agierte sie dann doch wieder eher gelassen. In Anbetracht dessen, dass ihre Schwester verschwunden ist, wirkte besonderes Letzteres auf mich das ein und andere Mal nicht ganz nachvollziehbar. Zwar ergibt sich letzten Endes auch noch eine gewisse Erklärung dafür, doch diese wird so seicht angerissen, dass sie Gefahr läuft, in der Fülle der Aktionen in diesem Buch unterzugehen.
Pluspunkte sehe ich im Bereich der Spannung. Wenn auch viel an „Nickel“ als Buch klischeehaft erscheint, so bleibt die Handlung als solche dennoch interessant. Mir gelang es, mich von der Spannung tragen zu lassen und Auflösungen entgegenzufiebern.

Das Coverdesign des Buches mag ich. Es passt dadurch, dass das Gesicht des abgebildeten Jungenkopfes unkenntlich gemacht wurde, gut zu der Haltung Nickels in Bezug auf die Bedeutung seiner Anonymität. Der Ausdruck der Lippen und die Frisur passen gut zu dem Bild, das ich beim Lesen von Nickel bekam.

Zum Abschluss möchte ich noch erwähnen, dass mir die Plotidee sehr gut gefällt. Das Thema spricht mich an und ich empfinde es als einen interessanten Aspekt, dass ein Kind Pädophilie bekämpft. Ich sehe darin auch eine Botschaft, Kinder zum Selbstschutz zu aktivieren. Nicht im Sinne wie Nickel dies tut, doch in dem Sinne, ihnen die bestmöglichen Abwehrtechniken/Hilfsmechanismen für Übergriffe auf sie mit auf den Weg zu geben.  
Eine kleine Randbemerkung: Genial finde ich übrigens die Erklärung dazu, wie Nickel zu seinem Namen kam.

Der Plot und die Spannung von „Nickel“ konnten mich überzeugen. Mit dem Charakterdesign konnte ich größtenteils gut umgehen, weil die Klischeehaftigkeit jenen Klischees entsprach, die mich im Großen und Ganzen ansprechen. Nickel selbst erscheint mir als interessanter Charakter, den ich liebgewonnen habe. Dennoch hätte ich mir bezüglich seiner Person und des Schreibstils einige kleine Änderungen gewünscht, da mir Nickel selbst so noch realitätsnäher erschienen wäre.
Trotz meiner Kritikpunkte hat mir das Buch aber zugesagt. Ich würde nicht davon abraten, es zu lesen, sondern eher dazu anregen, es selbst zu versuchen und zu erproben, ob mein größter Kritikpunkt – der von mir als solcher empfundene Widerspruch von Nickels Alter und seiner Persönlichkeit – auch bei anderen Lesern einen solchen Störfaktor darstellt. Wenn dies nämlich nicht der Fall ist, wertet das den Lesegenuss ganz sicher noch einmal auf.

  


 




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Vielen herzlichen Dank an amazon für dieses Rezensionsexemplar!
  

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