Dienstag, 16. September 2014

Rezension: "Rock War. Unter Strom" von Robert Muchamore






Titel: Rock War. Unter Strom.
Originaltitel: Rock War
Autor: Robert Muchamore
Übersetzerin: Tanja Ohlsen
Sprache: Deutsch
Broschierte Ausgabe: 384 Seiten
Verlag: cbt
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Auflage: 1. Auflage 2014
Preis: 12,99 (D)
ISBN-13: 978-3570162910
ISBN-10: 3570162915
 
 

Robert Muchamore stellt eine neue Buchreihe vor: „Rock War“. Der erste Band „Unter Strom“ liegt nunmehr auf dem deutschen Markt in der Erstausgabe von 2014 vor. Im englischsprachigen Original wird auf einen Beititel verzichtet, so dass dieses Buch dort nur „Rock War“ heißt.


Hauptsächlich geht es in diesem Jugendbuch um Jay, Summer und Dylan. Sie alle haben eins gemeinsam: einen Hang zur Musik und ein jeder von ihnen hat eine interessante und nicht immer rosige Biografie. Dabei sind sie alle gerade erst junge Teenager.
Jay ist eines von vielen Geschwistern in einer Familie, in deren Lebensalltag Kriminalität eine Rolle spielt und die doch versucht, das Beste aus ihrer Situation zu machen.
Summer ist ein junges Mädchen, welches allein mit ihrer schwerkranken Großmutter wohnt und dabei versuchen muss, sich mit wenig finanziellen Mitteln durchs Leben zu schlagen.
Dylan hat es, was die Stellung seiner Familie angeht, scheinbar ein bisschen leichter, doch es fehlt ihm an Antrieb und das könnte ihn auf seinem Lebensweg ausbremsen.
Kurzum: jeder der drei hat sein Päckchen zu tragen. Es scheint aber einen Ausweg aus dem Alltagstrott und dem drohenden Sumpf, in dem man zu versinken droht, zu geben: Berühmtwerden und als Rockstar Geschichte schreiben. Nur, wie sie alle das anstellen sollen, ist fraglich, denn ein solcher Weg ist alles andere als leicht und eben.


Man kann schon behaupten, dass „Rock War“ gewisse Klischees aufgreift. Die Idee als Jugendlicher, der sich gut auf Musik versteht, oder sich damit beschäftigt, vom Traum Rockstar zu werden zu träumen, ist nicht von weit entfernt gegriffen.
Nun haben Jay, Summer und Dylan das Glück, dass sie zu eben jenen Jugendlichen gehören, die Talent mit sich bringen und die eine gewisse Ahnung von dem zu haben scheinen, was sie tun.


Die Kapitel gehen auf die drei Jugendlichen ein und stellen dabei hauptsächlich jeweils einen von ihnen in den Vordergrund. Das hilft, erst einmal ein Gefühl dafür zu bekommen, was in welchem Teenagerleben so vor sich geht, wie die einzelnen Charaktere geschaffen sind und so weiter. Tatsächlich kriegt man eine ungefähre Vorstellung davon, wie sich ihre jeweiligen Leben und ihre Situationen entwickeln. Es ist dabei nicht immer ganz klar, was inwieweit genau parallel passiert, aber die Darstellungen reichen aus, um sich vorstellen zu können, wie dann am Ende alle Puzzlestücke ineinander fallen.


Um einen jeden der Jugendlichen, die im Fokus stehen, findet sich ein soziales Gefüge. Familie, Freunde und teils auch Feinde werden vorgestellt und man bekommt Dank des jeweiligen Fokus auf einen der Charaktere schon eine gute Struktur vorgegeben, um die Persönlichkeit, die mit dem Charakter verbunden ist, zu erkennen.
Es gibt eine Mischung aus Sympathieträgern, weniger angenehm erscheinenden Personen und solchen, die sich irgendwo dazwischen anordnen.
Für mich lebt „Rock War“ durch die unterschiedlichen Charaktere, die durch stellenweise nur wenige Feinheiten teils sehr ausdruckstark geworden sind.
Gerade die jeweiligen Biografien bewegen mich dazu, wissen zu wollen, wie „die Geschichte“ für einen jeden von ihnen ausgehen mag.


Das Ende des Buches gibt eine annähernde, wegweisende Richtung vor. Es endet demnach nicht mit einem allzu fiesen Cliffhanger. Dennoch wird ein weiteres, großes Ziel gesteckt, welches mich zumindest darüber rätseln lässt, wer von den dreien es erreichen kann.


Die Lektüre wird für Jugendliche ab 14 Jahren empfohlen. Diesbezüglich würde ich mitziehen. Einige Stellen lassen mich ob der Wortwahl dann doch ein wenig straucheln. Ein bisschen werde ich das Gefühl nicht los, dass einige Charaktere ob ihrer – zumindest stellenweisen – Ausdrucksweise gewollt cool dargestellt herüber kommen. Ja, 13-Jährige haben heutzutage doch ab und an ein Vokabular, welches einen ein bisschen erbleichen lässt. Das ist Lebensrealität. Dennoch wirkt unter anderem z.B. Jay ein bisschen überzogen, wenn er mit seinen Kumpels einige Sprüche loslässt. Das mag aber auch gerade daran liegen, dass er eigentlich kein schlechter Kerl – oder eher ein Kerlchen – zu sein vermag.


Spannung wird aufgebaut und ich habe sie beim Lesen auch empfunden. Die Lösung einiger Probleme wirkt mir dann teils aber doch etwas zu glattgehend. Hier hätte man ein bisschen mehr Pokern können, oder im Vorausaus die Situation ein wenig glimpflicher darstellen können – somit hätten einige Situationen dann doch realistischer wirken können.
Für mich war es das erste Buch von Muchamore, welches ich gelesen habe, aber ich habe nach „Rock War“ schon den Eindruck, dass er ganz gern ein wenig „over the top“ geht, ein bisschen zu viel des Guten in die Würzung gibt und somit das Servierte dann die Geschmacksnerven mehr streckt als schmeichelt.


Ich lese oft und gern Jugendbücher, obwohl ich aus dem Alter schon um einiges heraus bin. Meine Einschätzung ist, dass „Rock War“ für wirklich jugendliche LeserInnen schon toll sein kann. Ich selbst muss mir vor Augen halten, dass die jüngere Generation beim Lesen in der Regel mit einem anderen Hintergrund an das Buch und die Handlung herantreten wird.
Berufe ich mich auf den Faktor von Spaß und Phantasie, dann war das Buch doch ein interessanter Zeitvertreib und ich selbst kann auch nicht umhin, mir den Folgeband zu Gemüte zu führen, weil mich die einzelnen Schicksale der Charaktere dann doch interessieren.
Wer (schon) über genügend Reflektionsgabe verfügt, bzw. ein bisschen über den Tellerrand hinausblickt, der bemerkt vielleicht auch, dass hier zwar die Musik im Vordergrund steht, aber eben Einzelschicksale ebenso eine Rolle spielen.
Ja, es handelt sich bei den Hauptcharakteren um Jugendliche; um sehr junge Jugendliche. Genau das erkennt man auch oft genug. Es fehlt ihnen an Reife und eigentlich brauchen Sie Zuwendung – und davon mehr als sie bekommen. Sie tragen eine mehr oder minder Starke Last auf den Schultern, welche sie ein bisschen aus der Kindheit hinaus und in die Welt der Erwachsenen und von Verantwortung und den Konsequenzen eigener Entscheidungen hinein drängt. Hier zeigt sich, wie Rollen sich verschieben können und Personen ins Wanken kommen, oder/ und reifen können, wenn Kinder manchmal nicht nur Kind sein können. Gleichwohl kann genau aber dies dazu führen, dass die Charaktere etwas ungeschliffen und wankelmütig wirken.
Die Verbindung zwischen Träumen und Realität, zwischen Erwachsenwerden und Kindsein empfinde ich als sehr interessanten Aspekt, der mich bei „Rock War“ fängt. An dieser Stelle ist es Muchamore also gelungen, mich genügend zu fesseln und immerhin ist das eine gute Wirkung.


„Rock War“ kann man durchaus lesen. Wer Musik, Bandcontests und ein paar Klischees mag, der wird sich hier schon aufgehoben fühlen und immerhin bietet dieses Buch auch ein paar subtilere Nuancen, welche die Handlung auf interessante Weise färben. 






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Vielen herzlichen Dank an amazon und cbt für dieses Rezensionsexemplar!


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